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Aktuelles

 
 
Februar 2010, Ankara/İstanbul:

Eine Delegation des Verbandes der türkischen Literaturübersetzer Çevbir nahm am 20.02. in Ankara an dem landesweiten Solidaritätstag für die Kollegen des ehemaligen Staatskonzerns Tekel (in Deutschland vor allem durch den Rakı, den türkischen Anis-Schnaps, bekannt) teil. Die Delegation, die von den Arbeitern wie alte Freunde begrüßt wurde, überreichte den Streikenden drei Geschenke: eine Sammlung von Werken ausländischer Autoren, die von Çevbir-Mitgliedern übersetzt wurden, eine Broschüre mit Presseberichten aus dem Ausland (Amerika, Deutschland, England, Frankreich, Russland, Spanien) über den Streik der Tekel-Arbeiter, jeweils mit von Çevbir-Mitgliedern erstellten Übersetzungen, sowie Geld- und Sachspenden im Wert von insgesamt 660 TL, die im Übersetzerverband gesammelt worden war.

Worum ging es beim Kampf der Tekel-Kollegen?

Am 14.12.2009 waren sämtliche Beschäftigten von Tekel in einen unbefristeten Streik getreten.
Die türkische Regierung hatte den Konzern 2008 zum Preis von 1,7 Mrd. Dollar an den US-Konzern BAT verkauft und wollte eigentlich bis Ende Januar diesen Jahres die verbliebenen 40 Tekel-Produktionsstätten im Lande geschlossen haben. Die 12.000 Beschäftigten sollten entweder ihre Arbeit verlieren oder nach dem neuen „Gesetz 4C“ weiter„beschäftigt“ werden; letzteres bedeutete zehn Monate Kurzarbeit, Kürzung der Löhne auf weniger als 40 %, Verlust tariflicher und gewerkschaftlicher Rechte und willkürliche Verlängerung der Arbeitszeit.
Besondere politische Bedeutung hatte der Streik unter anderem auch dadurch, dass die Gegensätze, mit denen man die Arbeiter bislang entzweien konnte (die nationalen Gegensätze zwischen Türken, Kurden, Lasen usw., die religiösen zwischen Sunniten, Schiiten und Alewiten usw.), ein Stück weit überwunden wurden.
Im ganzen Land fanden Solidaritätsdemonstrationen und -kundgebungen statt. Eine umfangreiche Fotogalerie finden Sie hier.
Der Tekel-Streik erregte weit über die Grenzen der Türkei hinaus Aufsehen und Sympathie.



Herbst 2010:

Das P.E.N.-Zentrum Deutschland, das sich als „Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller“ versteht, ruft seit dem Frühjahr zur Solidarität mit Pınar Selek auf.
Pınar ist Soziologin, Schriftstellerin und Aktivistin der türkischen Frauenbewegung und kämpft seit vielen Jahren für mehr demokratische Rechte in ihrem Land. Ihre bisherigen Veröffentlichungen leuchten in dunkle Ecken des politischen und sozialen Lebens der Türkei; sie sind ein Protest und ein Kampfruf gegen die Rechtlosigkeit ethnischer Minderheiten (Kurden und Armenier) und sozial ausgegrenzter Gruppen (Prostituierte, Homosexuelle, Transvestiten, Transsexuelle). Um diese Stimme zum Schweigen – sprich: hinter Gitter – zu bringen, versucht man ihr seit 1998 mit Hilfe des Justizapparates ein angebliches Bombenattentat in İstanbul anzulasten (das sich später als Explosion einer defekten Gasflasche entpuppte). Dafür saß sie mehrere Jahre in Untersuchungshaft und wurde schwer gefoltert. Die Freisprüche der ersten und zweiten Instanz hat das höchste Entscheidungsgremium des Kassationsgerichtshof im Februar 2010 aufgehoben und für Pınar eine Verurteilung zu lebenslangem Zuchthaus gefordert.
Den Unterstützungsaufruf des P.E.N.-Zentrums und weitere Informationen über Pınar finden Sie hier.

Pınar unterhält eine eigene Internet-Seite: www.pinarselek.com. Vor Kurzem hat der Berliner Verlag Orlanda ihr Buch Sürüne sürüne erkek olmak herausgebracht (in der Übersetzung von Constanze Letzsch; die deutsche Fassung trägt den Titel Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt). Genauere Angaben über das Buch finden Sie z.B. bei libri.

Pınar führt mit ihm derzeit überall in Deutschland Lesungen durch. Eine davon hat sie im Rahmen des 6. türkisch-deutschen Festivals Literatürk 30. September auch in Essen durchgeführt.



01.-03.10.2010, Düsseldorf:

Beim 9. Frauenpolitischen Ratschlag war wieder der Einsatz des Sprachendienstes der GSA gefragt. Neben den allgemein zugänglichen Foren musste für die ausländischen Gäste (aus über 30 Ländern) in fünf Sprachen vor allem bei der parallel stattfindenden Internationalen Frauenversammlung gedolmetscht werden.

Der Frauenpolitische Ratschlag war stark von der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz 2011 geprägt, die vom 04. bis zum 08. März in der venezolanischen Hauptstadt Caracas stattfinden soll.


Herbst 2010, Türkei:

Der türkische Literaturübersetzerverband Çevbir setzt sich z.Zt. gegen eine Gesetzesinitiative des türkischen Kultusministeriums zur Wehr, die seine Auflösung zur Folge hätten. Çevbir hat dazu einen Aufruf mit dem Titel „Hände weg von Çevbir” herausgegeben. Meine deutsche Übersetzung finden Sie hier. Bitte unterstützen Sie den Aufruf von Çevbir!


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